Wie alles begann

Im 19ten Jahrhundert war Schmerikon ein wichtiger Hafen für die „Seefracht“. Vor allem Güter wie Wolle, Garn und Tuch, Seife, Kerzen und Salz, Öl für die Kohlengruben in der Umgebung wurden in grossen Mengen am Steg ausgeladen. Für die unternehmungsfreudigen Schmerkner bot sich damit eine willkommene Verdienstmöglichkeit an, wenn sie den Weitertransport dieser Ware übernahmen. Gleichzeitig brachten Fuhrhalter mit Ihren von Pferden und Ochsen gezogenen Wagen – Sechs- und Mehrgespann – Quader von den Steinbrüchen zum Verlad an den See. Diese Quader wurden als ungeheure Gewichte bezeichnet … ein Vorläufer der heutigen Spezialtransporte.

Apropos „Schwerverkehr“; Schon damals sahen gewiefte Politiker durch diese Quaderfuhren eine neue Einnahmequelle für die Finanzierung des lokalen Strassennetzes. Sie führten die „LSVA“ ein; Pro Ledi Stein (ca. 0.3m3) 26 Schillinge, was heute einem tiefen einstelligen Frankenbetrag gleich käme. (Ein Euro6 Fahrzeug zahlt heute Rp 2.05 pro Tonne und km (Eigengewicht und eingelöste Nutzlast). Bei damals 3 Tonnen auf 10 km, wäre die Belastung heute CHF 0.60 .. wobei es heute natürlich keine LKWs mit 3 Tonnen Eigengewicht und Nutzlast gibt.)

1875 kam Edelbert Wespe zur Welt, Sohn des gleichnamigen Vaters (geb. 1841), der auch bereits als „Chauffeur“ tätig war. (Anmerkung: 1866 wurde der Vater wegen „zügigem“ Fahren auf der Kirchgasse vor den Gemeinderat geladen. Die Übertretung war aber nicht gravierend, denn der Rat verzichtete auf eine Busse). 1890 erhielt der damals 15jährige Sohn 200 Franken (der Schweizer Franken wurde 40 Jahre vorher eingeführt..) von seinem Onkel zur Beschaffung eines Wagens und eines Pferdes … die heutige Wespe Transport AG wurde geboren.

Zwischen den Weltkriegen

Die „Flotte“ wuchs um 500% als beim Ausbruch des ersten Weltkrieges vier von sechs Pferde in‘s Militär abgezogen wurden. Diese für Wespe Transport recht existenzbedrohliche Situation konnte nur deshalb abgewendet werden, weil der Konsum – wo Frau Wespe immer einkaufte – der Familie noch Geld für nicht bezogene Rabattmärkli schuldete. Mit diesem Guthaben konnte sich Edelbert ein paar Ochsen anschaffen und den Betrieb so aufrecht erhalten.

Die nächste, grosse Herausforderung kam 1929 mit der Weltwirtschaftskrise. Für CHF 7‘000.- kaufte Edelbert ein kleines Ledischiff und schöpfte mit Lang- und Normalschaufeln Kies bei der Aabachmündung. 1930 kaufte er sich den ersten LKW und baute gleichzeitig bei der ehemaligen Kohlhütte eine Garage. Für diese wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten musste sich die Familie nach weiteren Erwerbsmöglichkeiten umsehen. Sie nannten sich nun „Gebr. E. und A. Wespe, Autotransporte, Kies-, Sand-, Holz-, Kohlen-, Heu- und Strohhandel“. 1937 stellte die Firma den ersten „Vertragsfahrer“ ein.

Apropos Lohn; Die Chauffeure verdienten damals CHF 8.- pro Tag. Die Spesenansätze waren: Für das Morgenessen 2 grüne Würste, für das Mittagessen Fleischsuppe mit Spatz und Most.

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Die Nachkriegszeit bis heute

1948 begann die Firma Wespe mit Brennstoffen zu handeln.1960 kaufte sie die Seefeldgarage und vertikalisierte entsprechend stark auch in dieses flankierende Geschäft zum eigentlichen Transportgewerbe. Bis dato war die Hausmarke der Wespe die Saurer-LKWs (dann auch Magirus-Deutz). Saurer zeichneten sich besonders für die hohe Nutzlast aus und verfügten seit den 60ger häufig über noch heute gebräuchlichen Antriebsformeln von zwei gelenkten Vorderachsen. Sattelzugmaschinen waren bei Saurer aber eher selten.

Die Mercedes LKWs stiessen immer mehr vor. So übernahm Wespe in den 70ger Jahre deren Vertretung (was noch bis heute mit der daraus entstandenen Thomann Nutzfahrzeuge AG der Fall ist). Die Flotte der Wespe Transport AG ist bis heute Mercedes geblieben. Die 70ger Jahren waren auch der Einstieg in das klassische Stückgut-Geschäft; Heute holen, morgen ausliefern in der ganzen Schweiz, war das Motto, das auch heute noch Gültigkeit hat. Das Unternehmen wuchs weiter an, sodass ein neuer, grösserer Umschlags-, Parkplatz sowie Lagergebäude nötig wurden. 1989 wurde das neue Areal der Härti bezogen, dem noch heutigen Standort der Wespe Transport AG. Es folgte ein Logistikstandort in Winterthur, später die eigene Tankstelle und Waschanlage in Schmerikon sowie eine Erweiterung von knapp 10‘000m2 Büro- und Lagerfläche in Tuggen.

Die Spitze erreichte die Firma mit einem Fuhrpark von über 100LKWs und gut 180 Mitarbeiter. Im Juli 2000 wurde die Wespe Transport in die Planzer Gruppe integriert, ebenfalls ein Familienunternehmen, heute in 3ter Generation (www.planzer.ch).  Synergien wurden gewonnen im Flotten-, Routen- und Lagerlogistikbereich, im Kundenstamm, bei den technologischen Lösungen – intern wie auch extern – und dem Zugriff auf das ganze Planzer Netzwerk Schweiz und International. Dank dem und all den Innovation und Engagements seit 1890 ist die Wespe Transport AG heute eine solides und bodenständiges Unternehmen; Lokal verankert – Global vernetzt.

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